Montag, 5. Oktober 2026
Zu sagen, dass Thee Sinseers Oldies spielen, wäre eine Fehlbezeichnung. Angeführt von Bandleader und Sohn von East Los Angeles, Joey Quiniones, hat die Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 2019 still und leise an den Klängen von R&B und Soul gefeilt. Quinones und seine Crew haben kontinuierlich...
Zu sagen, dass Thee Sinseers Oldies spielen, wäre eine Fehlbezeichnung. Angeführt von Bandleader und Sohn von East Los Angeles, Joey Quiniones, hat die Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 2019 still und leise an den Klängen von R&B und Soul gefeilt. Quinones und seine Crew haben kontinuierlich eine unverwechselbare Atmosphäre geschaffen, die alle Facetten eines zeitlosen Genres auslotet und ihre Interpretation der Musik durch eine unverkennbar moderne Brille vereint.
Bei einem Gespräch mit Thee Sinseers im Vorfeld ihrer neuen Veröffentlichung bei Colemine Records, „Love Stories“ (erscheint am 18. September), wird eines ganz klar: Dies ist kein Album, das eine glatte und ordentliche Liebesgeschichte erzählt. Die Vision von Liebe, die auf dieser Platte vermittelt wird, ist vielschichtig. Man denke an den wegweisenden East-LA-Film „Blood In Blood Out“ aus dem Jahr 1993 – drei Protagonisten, die durch Not, Streit und unterschiedliche Wege miteinander verbunden sind und schließlich zurückkehren, um sich damit auseinanderzusetzen, warum sie zusammenbleiben. Hier ist es eine ähnliche Geschichte. „Love Stories“ interessiert sich nicht für das Happy End. Es interessiert sich für alles, was davor, danach und trotz allem kommt.
Eines bleibt durchweg konstant: das Bekenntnis von Thee Sinseers zu ihrer Herkunft. Diese East-LA-Identität wird nicht groß herausgestellt – sie ist einfach da, verwoben mit dem Gewebe der Musik, ohne als Abzeichen zur Schau gestellt zu werden. Wie Francisco Flores es ausdrückt: „Wir kommen von hier. Das hört man schon aus tausend Meilen Entfernung. Man kann es nicht leugnen – aber wir versuchen es auch gar nicht. Es kommt einfach so rüber.“ Nirgendwo wird das deutlicher als bei „Minute by Minute“, das Quiñones als den Moment des Albums beschreibt, der am meisten nach Nachbarschaft fühlt – ein langsamer Tanzsong, der die Turnhallen der Roosevelt und Garfield High heraufbeschwört, intim und gemächlich, wie eine Erinnerung, von der man nicht wusste, dass man sie gerade schuf. Hier wird kein Herzschmerz vorgetäuscht, sondern nur das Echte.
Wie ein ungesendeter Liebesbrief, der endlich zugestellt wird, trägt „Love Stories“ das Gewicht all dessen, was gefühlt, aber nie ganz ausgesprochen wurde. Die Universalität dieses Gefühls lässt sich vielleicht am besten mit Quiñones’ eigenen Worten beschreiben: „Es ist nie zu spät, sich zu ändern. Es ist nie zu spät, einer geliebten Person zu sagen, dass man sie liebt.“ Nach jedem Song auf diesem Album, sagt Eric Johnson, gibt es eigentlich nur eine passende Reaktion. „Verdammt.“
Der ermässigte Preis gilt gegen Vorweisen eines Legi-, Schüler*innen-, IV- oder AHV-Ausweises an der Kasse.